WUT, WUT, WUTMAMA

Hey. Ich hab diesen Rant (s.u.) geschrieben, als ich ziemlich sauer war. Auf all meine Kolleginnen, die nach Kind plötzlich Ex-Kolleginnen sind. Weil sie nicht kämpfen wollten, um einen Job, den sie längst beherrschten. Nicht streiten um einen Status, den sie längst erreicht hatten. Sie sind zu Hause geblieben. Und die Männer haben das gemacht, was sie schon ihre Väter gut konnten: an den Ambitionen ihrer Frauen vorbeiziehen. Nicht immer mit Absicht. Aber immer für immer. Der Post ist vielleicht nicht ganz gerecht. Aber am Ende will ich auch nach Wut nur eins: meine Kolleginnen zurück. Es ist einsam ohne sie. Ohne euch. Lest selbst.

Der Post wurde bereits 2015 veröffentlich auf fraumutter.de

Das Hirn ist nicht die Plazenta

Ein Tag im September vor über 3 Jahren, 16 Uhr. Ich brülle das Leben aus mir raus. Als sehr langgezogenes, schmerzvolles O, weil das laut Geburtsvorbereitungskurs so ein guter Buchstabe beim Pressen sein soll. Das Leben ist ein Sohn. Knallertyp. Alles danach ist so, wie es viele gute Frauen in unzähligen Mami-Blogs auf saulustig-verzweifelte Weise beschreiben. Alles gesagt, alles schon gefühlt.
Und trotzdem habe ich da schon lange eine Sache im Kopf, einen schweren Kawentsmann-Vorwurf an euch Superfrauen da draußen auf der spitzen Zunge, der mir nicht über die Lippen will. Bislang. Heute gewinnt meine Wut auf euch. Denn ich möchte etwas aufschreiben, als Beitrag für diesen Blog. Und es soll dafür stehen, wie ich denke. Gerne in lustig. Und ich denke in großen, gar nicht lustigen Buchstaben: WAS ZUR HÖLLE IST MIT EUCH PASSIERT? Wann habt ihr beschlossen, dass euer Leben vor Kind gar kein Leben war? Dass es offensichtlich nichts wert war, all die Studiererei, all die Malocherei, die Extraschichten, die Buckelei, die Gehaltsverhandlungen, die Kundenmeetings…

Ohne mit der Wimper zu zucken, tauscht ihr Cupcake-Rezepte gegen euer Verhandlungsgeschick. Macht einen Dawanda-Shop auf, anstatt der nächsten Niederlassung. Seid plötzlich versiert in kleinen Pumphosen statt eloquentem Business-Talk. Was ist mit euch los? Ihr seid Mütter geworden, ja! Ihr habt einen labbrigen Unterbauch, okay! Ihr liebt eure Familie, na klar! Aber ihr habt mit der Plazenta doch nicht euer Hirn in die Kliniktonne gekloppt. All das, was ihr seid –außer Mutter – all das, ist noch da. Voll funktionsfähig. Sogar dank eurer kleinen Vielwills im absoluten High-End-Modus.

Ich behaupte mal: Ihr wart nie besser als jetzt. Und stattdessen seid ihr verschwunden. Ihr seid nicht mehr meine Kolleginnen, denen ich einen vielsagenden Blick zu werfen kann, wenn sich die Chefs wieder wie Affen gebärden. Ihr seid nicht mehr meine Kolleginnen, wenn ich ein Team zusammenstelle – am liebsten aus den Besten. Ihr seid nicht mehr meine Kolleginnen, wenn ich mein Gehalt verhandle. Und mehr will, trotz Teilzeit. Ihr seid nicht mehr meine oder von irgendeiner anderen Frau die Kollegin, die es zur Chefin schafft. Statt neben mir im Büro sitzt ihr im Kreis. Über eure Kinder tratschend. Mit Frauen von denen ihr nur den Namen ihrer Kinder kennt. Ganz sicher aber nicht ihren Job VOR Mama. Mit lauter Frauen, die offensichtlich auch vergessen haben, was sie waren und was sie konnten. Bevor sie Mütter waren.

Willkommen in der Komfortzone ohne aufreibende Meetings (Pekip lasse ich im Vergleich gelten), ohne Argumentationsstrukturen (Neeeein!, funktioniert halt bei Kunden nicht) und ohne den täglichen Austausch mit Menschen, die nicht nur Babies und deren Bedürfnisse im Kopf haben. Neulich fragte mich eine Kundin, warum ich eigentlich immer dieses ganze neue Zeug kenne? Ich sei doch Mutter. Da wäre doch keine Zeit zu „immer alles zu kennen“ und so. Die Antwort ist ganz einfach. Ich kenne das ganze, neue Zeug, weil ich einen Job habe, den ich sehr mag. Der mich jeden Tag mit Leuten zusammenbringt, die mich inspirieren und mir wenig Raum geben für Babytalk, wenn wir auch über die neue Kampagne von Kunde XY reden können. Ein Job, der mich stattdessen in all dem fordert und fördert, was ich auch bin: studierte Akademikerin, fast 15 Jahre im Job, Führungskraft, Kreative, Musikliebhaberin, Designverliebte, Wortbegabte. Immer wieder lösen sehr tolle Frauen ihre Jobfrustration mit Anfang/Mitte 30 mit einem Kind. Jetzt schwanger werden, anstatt rausfinden, wie anstrengend der Weg an die Spitze ist. Ist er immer noch. Gerade für Frauen im besten Babymachalter.

Das Problem ist: auch mit dem Kind ist man nicht raus aus der Jobdepression. Denn das Kind verjährt nur das Problem. Und Dawanda, Cupcakes, Sonnensegel und Co. sind kein Ausweg. Sondern eine Sackgasse für Frauen, die aus Planlosigkeit im Job ein Familienidyll machen. Ihr landet da, wo eure Mütter heute sind. In der Abhängigkeit ihrer Ehemänner (bestenfalls) mit einer mickrigen Rente von 400€. Also bekommt unbedingt Kinder, aber hört nicht auf an euer Berufsleben Ansprüche zu stellen und diese zu erkämpfen. Und nachdem ich jetzt meine Wut rausgelassen habe, ist Platz für ein anderes, großes Gefühl. Ich vermisse euch so. Die Gespräche mit euch. Eure Art Dinge zu regeln. Eure Art zu argumentieren. Euren Intellekt. Eure kluge Sicht der Dinge. Ich flehe euch an: Kommt zurück, löscht euren Dawanda-Account. Hört auf zu nähen, zu backen und euch nur um eure Kinder zu drehen. Ihr werdet nie wieder so gut sein, wie ihr es jetzt seid. Lasst uns gemeinsam so toll sein, wie wir eben sind. Als Frauen. Als Mamas. Als Vorbilder unserer Söhne und Töchter. Ich vermisse euch so.

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